150 Jahre Kirchgemeinde Littau 

 

Das Wetter passte zur heiteren Laune der Besucher unserer 150 Jahre Feier Kirchgemeinde Littau. Zusammen zelebrierten wir den feierlich gestalteten Gottesdienst in der dem Anlass entsprechenden wunderschön dekortieren Pfarrkirche. Die musikalische Umrahmung unterstrich die Feier besonders. Der anschliessende Apéro riche lud zum verweilen bei Sonnenschein und interessanten Gesprächen ein.

Ein herzliches Dankeschön gilt allen Helfer die diese Feier möglich gemacht haben. Einen besonderen Dank gilt den beiden Archivaren Erwin Haldi und Thomas Zumbühl für den interessanten geschichtliche Auszug der Kirchgemeinde und die dazu gestaltete Ausstellung im Foyer der Kirche.

Die Ausstellung können Sie die ganze nächste Woche noch besuchen.

150 Jahre Kirchgemeinde Littau (1872 – 2022)

Vorgeschichte
Die seelsorgerische Betreuung von Littau erfolgte Jahrhunderte lang von Luzern aus. In den Jahren 1855, 1861 und 1867 wurden erfolglose Gesuche zur Gründung einer eigenständigen Kirchgemeinde gestellt.

Gründung 1872
24. Hornung (Februar) 1871 - Der Regierungsrat beschliesst:
Unter Vorbehalt grossrätlicher Genehmigung sei die Kuratkaplanei-Pfründe Littau zu einer Pfarrpfründe 2. Klasse erklärt. Das Wahlrecht steht der Gemeinde Littau zu. Der künftige Herr Pfarrer ist verpflichtet, auf seine eigenen Kosten einen Vikar zu halten. Pro Jahr sind Fr. 2‘000.-- als Pfarreinkommen und Fr. 600.-- für Haltung eines Vikars bestimmt.

15. Herbstmonat (September) 1871:

Nach Kenntnisnahme vom Verbalprozess über die am 9. September 1871 in Littau stattgefundene Wahlverhandlung, wonach die stimmfähigen Bürger dortiger Kirchgemeinde zu ihrem zukünftigen Pfarrer wählten: Herr Jakob Bühler von Büron, bisherigen Kurat Kaplan.

6. Christmonat (Dezember) 1871 - Der Regierungsrat erkennt:

Der Anfang der Pfarrei Littau sei auf den 1. Jänner 1872 festgesetzt.

23. Christmonat 1871:

Herr Pfarrer Bühler stellt das Gesuch, es möchte Herrn Niklaus Hofstetter von Escholzmatt gestattet werden, in Littau zu pastorieren, umso mehr, da in Littau ein Vikar gehalten werden soll, es aber gegenwärtig mit grossen Schwierigkeiten verbunden sei, einen kompetenten Geistlichen zu erhalten.

Abtrennung von Reussbühl
19 Jahre nach der Gründung unserer Pfarrei begann die Bewegung zur Abtrennung Reussbühls. Im Jahre 1888 wies Reussbühl schon eine Zahl von 2300 Seelen auf und besass nur eine Kapelle. Eine geregelte Seelsorge fehlte. Die Ablösung war eine kampfreiche Angelegenheit. Eine Gruppe verlangte, dass der Kaplanei vom Kirchenbaufond die Hälfte des Kapitals abgetreten werde. Nach heftiger Debatte wurde die Aushändigung beschlossen. Am 21. Februar 1892 wurde in Reussbühl die Kaplanei eröffnet. In den Jahren 1899-1902 wurde die Kath. Pfarrkirche St. Philipp Neri erbaut.

Friedhofbau
Als erste Etappe des Kirchenareals wurde die Erstellung des Friedhofes in den Jahren 1926 bis 1928 erstellt. Die Pläne wurden von Anton Trucco gezeichnet. Die Anlage wurde 1954 und 1976 erweitert.

Kirchenbau
Herr Pfarrer Bussmann wies bereits 1918 auf den akuten Platzmangel in der alten Kirche hin. Er liess 1919 und 1922 Pläne für eine neue Kirche ausarbeiten. Diese wurden aber vom Kirchenrat abgelehnt. Für den Kirchenbau fehlte das Geld. Die Kirchengemeinde besass jedoch unterhalb der Schulanlage Littau-Dorf ein Stück Land. Unter der Wiesendecke befanden sich reichliche Mengen Kies, durch dessen Verkauf man den Kirchenbau finanzieren wollte. 1931 erhielt Fritz Lötscher die Erlaubnis zum Abbau des Kiesvorkommens. 1937 wurde der Neubau der Kirche bewilligt. Am 8. Oktober 1939 weihte der Bischof die Kirche ein. Kostenüberschreitungen verunmöglichten schon 1939 neue Glocken anzuschaffen. Am 3. Juni 1951 konnten dann die neuen Glocken doch noch eingeweiht werden. Der Bau der Kirche St. Theodul galt 1939 als das «Neue Bauen» im Sakralbau. Die Herz Jesu-Kirche im Finsterwald, ob Entlebuch, lässt sich vom Baustil her mit der Pfarrkirche Littau vergleichen.

Der Bau des angrenzenden Pfarreisaales folgte 1941 und das Pfarrhaus wurde 1960 erstellt. Trotz verschiedenen Baujahren bilden alle Gebäude ein einheitliches Ganzes.

Renovation 1988/1989

Die Architekten wollten eine sanfte Renovation vornehmen. Trotzdem veränderte sich einiges. Auffälligste Veränderungen waren der Rückbau des nördlichen Seiteneinganges und der Einbau der Theoduls-kapelle.

Zentrum St. Michael (Seelsorgezentrum Rönnimoos)
Zur Kirchgemeinde Littau gehört das in den 60er Jahren stark angewachsene Quartier Rönnimoos, in dem sich bald einmal der Wunsch nach einer eigenen Kirche regte. Im Jahre 1964 konnte der Erwerb einer Landparzelle im Wert von 500'000.– Franken getätigt werden. Die am 31. März 1969 bestellte Planungskommission hatte keine einfache Aufgabe vor sich. Der Umfang des Bauvorhabens war umstritten und es mussten diverse ausserordentliche Kirchgemeindeversammlungen abgehalten werden um Projektaufträge, Raumprogramme und Detailplanungen, mit den entsprechenden Krediten, bewilligen zu können. Schlussendlich wurde an der Versammlung vom 24. Juni 1976 der Kirchenbau beschlossen. Protokollauszug:

Mit 81 gegen eine Stimme beschliessen die Bürgerinnen und Bürger den Bau von Kirche, Saal, Restaurant, Freizeiträume und 2. Untergeschoss. Weggelassen wird der Bau des Wohntraktes und der Kegelbahn. Der Baukredit von Fr. 5'100'000.– wird einstimmig gutgeheissen.

Am 2. Oktober 1976 erfolgte der Spatenstich und am 4. Oktober war Baubeginn.

Am 15. November 1976 erteilte eine ausserordentliche Kirchgemeindeversammlung zusätzliche Kredite für die Erstellung von zwei 5 ½-Zimmer-Wohnungen

Am 2. April 1977 war der Tag der Grundsteinlegung

Am 9. September 1977 war Aufrichtefeier

Am 26. November 1977 konnte die Bevölkerung von Littau die neuen Räume anlässlich des Rohbaufestes besichtigen

Am 15. März 1978 wurde das Restaurant Michaelshof eröffnet

Am 22. April 1978 war die Glockenweihe

Am 21. Mai 1978 erfolgte die Kirchenweihe durch Bischof Anton Hänggi. Begrüsst wurde der Bischof von Pfarrer Melchior Käppeli und über 800 Pfarreiangehörigen und Gäste. Der Kirchenchor und die Musikgesellschaft Littau begleiteten den festlichen Akt. Das Festmenü war Spatz.

Kirchliches Leben
Gottesdienstordnung vom Sonntag, 9. Januar 1921:

½7   Uhr:    Frühmesse

9     Uhr:    Hauptgottesdienst

½2   Uhr:    Christenlehre

½6   Uhr:    Rosenkranz und Segen

Pünktlichkeit war auch dann zu mal wichtig, denn Pfarrer Bussmann schrieb im Pfarrblatt vom 21. Januar 1921 folgendes über die Zeit:

Die Zeit
Mit der Zeit geizen ist nötiger, als mit dem Geld; denn die Zeit bringt nicht nur Geld, sondern auch, was mehr wert ist, Weisheit und Tugend.

Alles andere kann wieder ersetzt werden; verlorene Zeit ist für immer dahin!

Sie ist das Element; des Lebens; sie verschwenden, heisst Lebenskraft vergeuden.

Mit jedem Hauch entlieht ein Teil des Lebens,

Nichts beut’ Ersatz für das, was du verloren,

Drum suche früh ein würdiges Ziel des Strebens.

Es ist nicht deine Schuld, dass du geboren,

Doch deine Schuld, wenn du gelebt vergebens.!

Kirchenratspräsident und Pfarrer Bussmann starb am 22. November 1956. Beim Trauergottesdienst war die Kirche gesteckt voll und die Trauer war tief. Selbst die Frauen und Töchter hatten vergessen, dass er dann und wann im Eifer gemahnt hatte, die «Hühner» dort hinten sollen Platz machen und nicht immer die Plätze gegen die Männerseite einnehmen. Sie hatten ihm längst verziehen und beteten fest für ihn.